Ein kleines Kreuz sorgt für grosse Wellen
Nach der Journalistenanfrage wollte ich zuerst einmal drüber schlafen. Eigentlich geht es um ein Detail und doch ist es sehr brisant, sagte ich mir. Dann entschied ich mich doch, mich zitieren zu lassen. Mir war das kleine Kreuz am Halskettchen der SRF-Moderatorin schon vor vier Jahren positiv aufgefallen; vielleicht Deformation professionell als Pfarrer. Jedenfalls hatte ich mich gefreut. Es sieht nicht nur schön aus. Für mich hat ein Kreuz auch eine sehr wertvolle Bedeutung, wie ich im ursprünglichen Beitrag ausgedrückt habe. Ich bedaure nach wie vor, dass die Verantwortlichen bei SRF so reagiert haben. Und ich hoffe, dass die Leitung auf ihre Interpretation der internen Leitlinien zurückkommt; ich bin überzeugt, die Glaubensfreiheit erlaubt diese enge Interpretation nicht. Die vielen Reaktionen in der Bevölkerung bestätigen denn auch, dass das Kettchen kein Problem darstellt (über 80% stören sich nicht daran; gemäss Umfragen von nau.ch; 20min.ch und Schweizer Illustrierte).
Mein Zögern am Anfang hatte auch damit zu tun, dass ich vermutet hatte, dass der Vorfall auch instrumentalisiert werden könnte. Ich sehe, dass dies nun in einzelnen Kommentaren oder auch von Nationalratskollege Thomas Aeschi gemacht wird. Er und viele andere schütten das Kind mit dem Bade aus, wenn sie auf Grund dieses Vorfalls SRF, die Gebühren kürzen oder gar streichen wollen. Denn diese Diskussion hat nichts mit den wertvollen Dienstleistungen von SRF zu tun. Die Überreaktion von SRF ist für mich vielmehr ein Hinweis darauf, dass man sich grundsätzlich sehr um Unabhängigkeit bemühen will. Ich persönlich schätze die qualitativ hochstehende Berichterstattung von SRF, die übers grosse Ganze gesehen ausgewogen und unabhängig ist, sehr. Natürlich kann auch ich einzelne Beispiele aufzählen, wo ich das anders sehe oder erlebt habe. Aber der Beitrag und die Bedeutung unserer öffentlichen Medien kann in der Schweiz kaum überschätzt werden. Zu oft war ich in anderen Teilen dieser Welt unterwegs, wo der Staat oder vermögende Private die Bevölkerung desinformieren. Bei uns sind wir weit davon entfernt; auch dank SRF. Deshalb bin ich auch seit mehreren Jahren überzeugter SRG-Genossenschafter und damit über die Gebühren hinaus beteiligt; was ich allen sehr empfehlen kann. Zudem haben wir alle die Möglichkeit auf die Arbeit von SRF zum Beispiel über die Ombudsstelle und weitere Institutionen zu reagieren. Viele Menschen auf dieser Welt träumen von solchen Möglichkeiten, ja Millionen von Menschen müssen sich fürchten, bestraft zu werden, wenn sie sich gegen die Regierungsmeinung kolportiert durch Staatsmedien äussern.
Daher: Lasst uns über Freiheiten, Traditionen und Symbole diskutieren, aber diese nicht für populistisches Bashing missbrauchen.