Mission Nigeria: Brücken bauen für Religionsfreiheit und Frieden

Vom 21. bis 25. März 2026 leitete ich eine internationale Delegation des First Step Forum (FSF) in Nigeria. In der bevölkerungsreichsten Nation Afrikas, die zwischen politischem Aufbruch und tiefgreifender Unsicherheit schwankt, konnten wir wichtige diplomatische Weichen stellen und die „Abuja-Erklärung“ auf den Weg bringen.

Nigeria ist ein Land der Kontraste. Während in der Hauptstadt Abuja hochrangige Staatsdiplomatie gepflegt wird, herrscht in Regionen des Nordens und im „Middle Belt“ oft ein staatliches Vakuum, das Raum für Gewalt und religiöse Radikalisierung lässt. Gemeinsam mit dem ehemaligen slowakischen Premierminister Eduard Heger und der österreichischen Nationalrätin Dr. Gudrun Kugler suchte ich den Dialog auf allen Ebenen – von der Regierungsspitze bis hin zu den mutigen Menschenrechstaktivisten an der Basis.

„Win the Clerics“: Der Schlüssel liegt im Glauben

Ein zentraler Pfeiler unserer Reise war die sogenannte Track 2-Diplomatie. In einem Land, in dem Religionsführer oft grösseres Vertrauen geniessen als staatliche Institutionen, ist der interreligiöse Dialog kein Bonus, sondern eine Notwendigkeit.

Unter dem Leitmotiv „Win the Clerics“ trafen wir uns mit dem Emir von Bungudu sowie Vertretern der Christian Association of Nigeria (CAN). Das Resultat ist die wegweisende „Abuja-Erklärung für nachhaltigen Frieden“. Darin verpflichten sich christliche und muslimische Leiter gemeinsam, Gewalt im Namen Gottes entschieden abzulehnen, lokale Frühwarnsysteme aufzubauen und sich für die Heilung von Traumata einzusetzen.

Politische Weichenstellungen in Abuja

Auf politischer Ebene konnten wir die Zusammenarbeit institutionalisieren. In Gesprächen mit dem nigerianischen Aussenministerium wurde ein Memorandum of Understanding (MoU) vereinbart. Das Ziel: Der Schutz der Religionsfreiheit (ForB) und die Stärkung von Frauenrechten sollen fest in der Regierungsagenda verankert werden.

Auch der wirtschaftliche Aspekt kam nicht zu kurz. Im Austausch mit Parlaments-Vize Benjamin Kalu diskutierten wir das Modell des „Near-Shoring“. Wenn Rohstoffe wie Lithium direkt vor Ort verarbeitet werden, entstehen Arbeitsplätze und Perspektiven für junge Menschen. Dies ist das nachhaltigste Bollwerk gegen Extremismus und eine wirksame Bekämpfung von Fluchtursachen auf Augenhöhe.

Einblick in die bittere Realität

Abseits der klimatisierten Konferenzräume begegneten wir der harten Realität der Zivilgesellschaft:

  • Schutzlose Gemeinden: NGOs berichteten uns von Regionen, die mehr als zwanzigmal Opfer von Massenentführungen wurden.

  • Kampf gegen fatale Traditionen: Wir hörten Erschütterndes über rituellen Kindsmord an Mehrlingen, gegen den lokale Aktivistinnen unter Lebensgefahr aufklären.

  • Hoffnung durch Schweizer Hilfe: Ein Lichtblick war der Bau eines Frauenhauses, das mit Schweizer Anschubfinanzierung ermöglicht wurde. Hier finden Überlebende von Boko-Haram-Gewalt – egal ob Christinnen oder Musliminnen – gemeinsam einen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

Mein Fazit: Listen, Learn, Serve

Diese Mission hat einmal mehr gezeigt: Religionsfreiheit und Menschenrechte sind keine westlichen Exportgüter, sondern die zwingende Basis für globale Sicherheit. Als Executive Director des First Step Forum nehme ich die Stimmen der Menschen in Nigeria mit zurück in unsere Parlamente in Europa.

Wir werden den Druck aufrechterhalten und echte Partnerschaften fördern, die dort ansetzen, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird.

Über das First Step Forum (FSF): Das internationale Netzwerk aus Parlamentariern und Diplomaten setzt sich weltweit für diskrete diplomatische „erste Schritte“ in Konfliktregionen ein. Seit Ende 2025 darf ich die operativen Geschicke des Forums leiten.